interview zu 'beleza' kultur 06
p.füßl
ihr habt beide längere auslandsaufenthalte hinter euch: toni war ein halbes Jahr in brasilien, aja hat in new york mit einem gospelchor gearbeitet. Welche erfahrungen habt ihr dort gemacht?
aja&toni
seit jeher haben wir beide einen starken bezug zu afrikanisch verwurzelten musikstilen. unser bedürfnis nach emotionalem ausdruck und einem weg aus dem europäisch oft ‚verhirnten’ herangehen an die musik waren impulse für uns längerfristig in jene kulturen einzutauchen. die identität in sprache und musik ist beeindruckend. bei einem sambakonzert beispielsweise singt das publikum komplexe melodien über songs die mehr harmonien beinhalten als manche jazzstandards und der gospel besteht aus ständig neu improvisierten ‚call&response’ schemen. als musiker fanden wir erstaunlich dass wir innerhalb kurzer zeit geschätzt und akzeptiert wurden. beim musizieren war die rhythmik stets ein schlüssel zum dialog.
p.füßl
inwiefern fließen diese musikalischen erfahrungen nun in ‚beleza’ ein – stilistisch, stimmungsmäßig?
aja&toni
soul und samba fließen auf dieser cd mit jazzigen inputs zusammen. Leute wie stevie wonder und der afro-brasilianische gitarrist baden powell waren schon in jungen jahren unsere wegbegleiter. stimmungsmäßig ist nicht zu überhören dass wir unsere herzen füreinander geöffnet haben.
p.füßl
elf der 13 titel stammen aus eurer feder. wie geht ihr beim komponieren vor? gibt es zuerst die lyrics oder die musik? braucht ihr gewisse stimmungen? was inspiriert euch?
aja&toni
die musik war da. die texte folgten auf die stimmungen der lieder. zeitlosigkeit auf der insel boipeba in ‚timeless’, die einfachheit in ‚simple life’, die geografische distanz zwischen österreich und brasilien im ‚sternchenlied’ erzählen eigene geschichten.
p.füßl
liest man die trackliste dann tanzt ‚o hoamatle’ klarerweise aus der reihe. wenn man es sich anhört passt es aber in eurer ausgefallenen interpretation überraschenderweise sehr gut ins gesamtkonzept. trotzdem: ist das als schmäh gedacht oder als ernst gemeinte hommage an die heimat?
aja&toni
kommt man nach einem halben jahr zurück muss zunächst das verlangen nach ‚kässpätzle und grumpara salot’ gestillt werden. ‚o hoamatle’ repräsentiert bewusst ein stück vorarlberger ‚identität’.
p.füßl
es gibt ja bereits einige vocal-guitar-duos, beispielsweise tuck&patti oder friend’n’fellow. wollt ihr das projekt nach dieser ersten cd weiter entwickeln, in welche richtung soll es gehen?
aja&toni
ein vergleich mit den genannten ergibt sich nicht da unser schwerpunkt ganz klar auf eigenen songs liegt und wir auch des öfteren einen gastmusiker dabei haben. unsere grundinstrumentierung besteht aus akustischer wie elektrischer gitarre, ergänzt durch sounds vom keyboard, perkussion und backing vocals. in der zukunft hat alles platz. wir mögen veränderung.

